Grundlagen des Glaubens

Beim Erschließen der Kommunion und der Eucharistie kommen schnell Fragen des Glaubens in den Blick, die das Verständnis von Kirche und des Gottesdienstes betreffen.

Hier hat sich im 2. vatikanischen Konzil, also vor gut 50 Jahren, in der katholischen Kirche viel verändert. Das wurde damals besonders spürbar in der Möglichkeit, den Gottesdienst in seiner Muttersprache feiern zu können.

Die Bedeutung der Taufe und der Initiation, also der Einführung in den Glauben, wurde der Kirche neu bewusst.

Heute mehr als 50 Jahre danach, ist zu beobachten, dass dort, wo Menschen aus der eigenen Taufe bewusst ihre Spiritualität gestalten, viel möglich ist, Gottes Geist Raum hat.

An dieser Stelle einige Hinweise zum erneuerten Verständnis von Kirche. Die folgenden Gedanken zu einem Verständnis von Ebenen der Kirchlichkeit stammen von einem deutschen Theologen S. Wiedenhofer. Die Abkürzung LG steht für das Dokument des Vat II, Lumen Gentium, in dem das Selbstbild der Kirche beschrieben ist.

Kirche hat mehrere Ebenen, auf der sie erfahrbar ist:

1. Ebene Kirchlichkeit - gemeinsames Priestertum

LG 10: Durch die Wiedergeburt und die Salbung mit dem Heiligen Geist werden die Getauften zu einem geistigen Bau und einem heiligen Priestertum geweiht, damit sie in allen Werken eines christlichen Menschen geistige Opfer darbringen und die Machttaten dessen verkünden, der sie aus der Finsternis in sein wunderbares Licht berufen hat.

Dieses Tun vollzieht sich im Kontext der persönlichen Lebenswirklichkeit, in den Bezügen des Alltags.

Hier zeigt sich das Priestertum aller Getauften, die durch die Taufe Anteil haben an Jesus Christus und etwas von Gottes Herrlichkeit in ihre Welt (durch IHN / in SEINEM Namen) vermitteln.

1. Ebene der Kirchlichkeit - Familie

Diese Form von Kirchlichkeit macht die Gruppenerfahrung zum Ort neuer Gemeinschaft von Gott her, indem sie 1. den personalen und gemeinschaftlichen Charakter des Glaubens aktualisiert und 2. die gesellschaftlichen und politischen Implikationen des Glaubens im eigenen Lebenskontext unmittelbar konkretisieren kann.

Glaube vollzieht sich in der (kleinen) christlichen Gruppe primär als in Liebe gegründeter Lebenspraxis. Gläubiges Erfahrungswissen wird so weitergegeben.

Gottesdienst und Katechese müssen die Lebenspraxis begleiten und helfen, die Offenheit für den Geist Gottes zu bewahren.

Wenn diese Ebene ausfällt, verliert Kirche an Realität und Funktion, da Versöhnungsprozesse zwischen Generationen und Geschlechtern nur im gemeinschaftlichen Rahmen eine letzte Ernsthaftigkeit erreichen.

Die Kirchenkrise in unserer Zeit hängt stark mit den Problemen dieser Ebene zusammen.

2. Ebene Kirchlichkeit - Priestertum des Dienstes

LG 10: . . . Das gemeinsame Priestertum der Gläubigen aber und das Priestertum des Dienstes, das heißt das hierarchische Priestertum, unterscheiden sich zwar dem Wesen und nicht bloß dem Grade nach. Dennoch sind sie einander zugeordnet: das eine wie das andere nämlich nimmt je auf besondere Weise am Priestertum Christi teil. Der Amtspriester nämlich bildet kraft seiner heiligen Gewalt, die er innehat, das priesterliche Volk heran und leitet es; . . .

2. Ebene der Kirchlichkeit - Territoralgemeinde

Liturgie ist primärer Ort der Glaubenserfahrung und -vermittlung dieser Ebene. Gemeinsam lobpreist die versammelte Gemeinde die Großtaten Gottes, hört Gottes Wort, vollzieht die heiligen Symbolhandlungen, betet und singt und tauscht das Bekenntnis aus und wird so aus vielen Familien und Gruppen, aus Vertretern unterschiedlicher Berufe, unterschiedlicher gesellschaftlicher Schichten und unterschiedlicher politischer Meinungen, in der Öffentlichkeit dieser Versammlung neu zum Volk Gottes zusammengeschlossen. . .

Diese gottesdienstliche Form der Glaubensvermittlung bedarf der direkten Wechselwirkung mit der Glaubenspraxis.

Wo die Glaubenspraxis sich nicht konkretisiert, wird dem Handeln Gottes seine Kraft entzogen. Wo der Wahrheitsanspruch des Glaubens nicht als Antwort auf konkrete Fragen eingelöst wird, wird der Wahrheit Gottes, die die Gemeinde bezeugen soll, ihr universaler Anspruch entzogen. Fällt diese Form der Glaubensvermittlung aus, verliert das Zeugnis der Kirche an Relevanz.